Oh wie schön ist Panama! – Zurück in Punta Chame
Zusammenfassung
Ankommen im Paradies
Welcome Back
Zwei Jahre ist es her, dass ich eine komplette Saison in Panama gearbeitet habe. Jetzt bin ich endlich zurück – diesmal als Gast. Und ehrlich? Es fühlt sich sofort wieder wie zuhause an.
Von gefühlten -20 auf 25 Grad in zehn Stunden
Die Anreise ist das übliche Abenteuer: Schnee, Regen, Eis – Deutschland im Winter halt. Aber dann hebt der Direktflieger ab Frankfurt ab und als ich in Panama City aus dem Flugzeug steige, empfangen mich 25 Grad und Sonnenschein. Besser geht's nicht.
Unser Fahrer Ali steht schon grinsend bereit und reißt mir das Kite-Gepäck aus den Händen, bevor ich überhaupt „Hola" sagen kann. Zweieinhalb Stunden später rollen wir im Dunkeln an der Station ein. Das warme Mondlicht und die Beleuchtung vor Ort weisen uns den Weg. Der Plan für den Abend? Welcome-Bier bei den Nachbarn auf dem Balkon – und dann todmüde ins Bett fallen.
Die ersten Tage: Ankommen, genießen, staunen
Jetlag sei Dank stehe ich am nächsten Morgen um halb sechs auf der Matte. Der Windgott hat sich allerdings entschieden, die ersten zwei Tage freizunehmen. Aber hey – so bleibt genug Zeit, um alte Bekannte im Dorf zu besuchen, die Crew kennenzulernen und einfach mal anzukommen. Wir lassen es ruhig angehen: Sonne, gutes Essen, vielleicht schon etwas zu früh am Tag ein Bierchen. Abends klingt der Tag bei einer Runde Wizard gemütlich aus.
Otoque Islands: Delfine, Pelikane und Fisch satt
Zum Zoo ohne Zäune
Am nächsten Tag geht's raus aufs Wasser. Wir haben uns einen Bootsausflug zu den Otoque Islands gegönnt, drei kleine Inseln direkt vor Punta Chame. Nur etwa 25 Minuten mit dem Boot, und man fühlt sich wie in einer anderen Welt. Die Inseln sind berühmt für ihre Vogelbrutstätten – Fregattvögel mit ihren leuchtend roten Kehlsäcken, Pelikane, Tölpel – eine unglaubliche Vielfalt, und das alles völlig ohne Zaun und Eintrittskarte. Einfach Natur pur.
Schon auf dem Hinweg begleiten uns Delfine, die neben dem Boot hertanzen, als wollten sie uns den Weg zeigen. Nebenbei werfen wir die Angel raus – man weiß ja nie. Und tatsächlich: Am Ende des Tages haben wir genug Jackfish an Bord, um nicht nur uns, sondern gleich das halbe Camp satt zu bekommen.
Auf Otoque selbst machen wir einen kleinen Spaziergang über die Insel. Zwei winzige, verschlafene Dörfchen, in denen die Zeit stehengeblieben scheint. Rund 200 Menschen leben hier von Fischfang und Landwirtschaft, und als Besucher fühlt man sich fast wie ein Schiffbrüchiger – nur eben mit Handyempfang.
Das absolute Highlight erwischt uns aber auf dem Rückweg: Hunderte von Pelikanen, die sich gleichzeitig aus der Luft ins Wasser stürzen, sobald sie einen Fischschwarm erspähen. Ein ohrenbetäubendes Klatschen, Wasser spritzt in alle Richtungen – und dann tauchen sie einer nach dem anderen wieder auf, den Schnabel voll Fisch. So ein Spektakel muss man einfach mal gesehen haben.
Zurück an der Station gibt's erstmal Ceviche vom fangfrischen Fisch, den wir selbst aus dem Wasser gezogen haben. Und als wäre das nicht schon genug, zaubert unser Küchenchef Franklin am Abend noch gebratenen Fisch und ein Tartar auf den Tisch, das keine Wünsche offenlässt. Was für ein Tag.
Endlich Wind – der Kite-Wahnsinn beginnt
Vom Bett aufs Brett
Vor dem Einschlafen noch schnell Windfinder checken und – JAAAA – alles rot! Mit diesem Grinsen im Gesicht schläft es sich wunderbar ein.
Um sechs Uhr bin ich hellwach. Leise aus dem Zimmer schleichen, Nase in den Wind halten und sofort wissen: Heute wird geflogen. Ich schnappe mir den Zwölfer von der Terrasse, renne zum Kompressor und ab dafür. Die Lagune bei Mid Tide ist ein Traum – perfektes Flachwasser zum Tricksen.
Über Mittag lässt der Wind kurz nach. Zeit für Siesta, Fisch-Tacos und Tequeños. Nachmittags dreht er dann richtig auf. Ich wechsle auf den Zehner und kann die zehn Meter förmlich riechen.
Dann kommt der Moment, für den man lebt: Sundowner-Session. Die Sonne fällt rot-orange ins Meer, der Himmel explodiert in allen Farben. Wir kiten, bis es dunkel ist und die Beine nicht mehr wollen. Danach? Schnelle Pizza, ein Bier und ab ins Bett. Morgen soll es genauso sein.
Ausflüge mit dem Kite
Downwinder zu den Sandbanks
Am nächsten Tag steht die Tide perfekt. Wir machen einen Downwinder zu den Sandbanks – absolutes Flachwasser, konstanter Wind, türkisblaues Wasser. Ein lokales Boot bringt uns etwa 20 Minuten upwind, dann steigen wir auf einer kleinen Sandbank direkt neben John Wayne Island aus. Überall kleine Pools, bügelflaches Wasser. Was kann es Schöneres geben? Ehrlich, ich wüsste nichts.
Versteckte Lagunen und Maracuja Mojitos
Am Wochenende kommen die Locals aus Panama-Stadt nach Punta Chame. Viele stehen vorne an der Wasserkante und feuern die Kiter an – das hat was.
Heute ist Entdeckertag. Wir kiten entlang der Mangroven und finden eine versteckte Lagune, in der wir nur zu viert unterwegs sind. Solche Spots gibt es kaum noch auf der Welt. Dieses Gefühl, wenn du merkst, dass du gerade etwas Besonderes erlebst – unbezahlbar.
Nach der Session setzen wir uns an den Pool, schauen den letzten Kitern bei ihrer Abendsession zu und bestellen Maracuja Mojitos. Aus einem werden drei. Oder vier. Das Abendessen wird leicht angeschwipst eingenommen, die Laune könnte nicht besser sein. Der Abend klingt mit Musik und Cocktails aus.
Das beste Katermittel der Welt
Am nächsten Morgen ist das Heilmittel zum Glück einfach: Kite umschnallen, ins Wasser springen. Nach zehn Minuten ist der Kater Geschichte. Dazu eine Açaí Bowl – oder für die Mutigen Eggs Benedict – einen großen Kaffee und man ist wieder unter den Lebenden.
Jeden Tag ist Murmeltiertag Day – aber in geil
Der Muskelkater kickt
So langsam brennen die Beine und der Bauch, und eigentlich wäre ein windstiller Tag ganz nett. Aber das gibt's hier nicht. Also weitermachen: dank Jetlag früh aufstehen, Kaffee und Smoothie Bowl, Kite aufpumpen, losdüsen. Kurze Pause über Mittag, nachmittags eine Größe kleiner aufpumpen und bis in den Sonnenuntergang kiten. So stelle ich mir den perfekten Kite-Urlaub vor.
Abends bin ich so platt, dass nach dem Essen eigentlich nichts mehr geht. Eigentlich. Denn einmal müssen wir ins Happy Corner auf ein paar Drinks. Praktischerweise ist Reggaeton-Party. Hier kann ich mal wieder beweisen, dass Deutsche absolut kein Rhythmusgefühl haben, und schwinge meine betonfeste Hüfte zwischen den Locals hin und her.
Was wir verpasst haben (weil zu viel Wind war)
Wer braucht schon Ausflüge wenn es Wind hat?
Eigentlich standen noch so einige Ausflüge auf unserer Liste.
Panama-Stadt und der Kanal – einmal zuschauen, wie sich riesige Containerschiffe durch eine der berühmtesten Wasserstraßen der Welt schieben, dazu die Skyline, das Chaos, das Flair der Stadt. Hatten wir uns wirklich fest vorgenommen.
Die Cajones de Chame – eine wilde Flussschlucht, in die sich der Río Chame über Jahrhunderte tief ins Gestein gefressen hat. Türkises Wasser, hohe Felswände, Naturpools, und wer sich traut, springt von den Klippen mehrere Meter in die Tiefe.
Der Cerro Chame – ein 525 Meter hoher Berg quasi vor unserer Haustür, von dessen Gipfel man die gesamte Küste überblicken kann, die Mangroven, den Kitespot, sogar Panama-Stadt am Horizont. Anderthalb Stunden hoch, am besten zum Sonnenaufgang. Klingt großartig, oder?
Die Wasserfälle im Hinterland von Sorá – versteckt im Grünen, perfekt zum Abkühlen, umgeben von nichts als Dschungel und dem Rauschen des Wassers. Genau das Richtige nach einem heißen Tag und mein persönliches Highlight.
Aber – und das ist wirklich ein Luxusproblem – es war einfach jeden Tag zu viel Wind. Jedes Mal, wenn wir abends sagten „Morgen machen wir aber mal was anderes", wehte es am nächsten Morgen wieder so zuverlässig, dass die Entscheidung eigentlich schon gefallen war, bevor wir sie überhaupt treffen konnten. Wir kamen einfach nicht vom Wasser weg. Die Ausflugsliste blieb also komplett unangetastet – und ehrlich gesagt? Wir bereuen absolut gar nichts.
Bye Bye Panama
Abreise: Bis bald, Panama
Und so vergehen zehn Tage im Paradies wie immer viel zu schnell. Gegen Mittag holt Ali uns ab. Auf der Fahrt zum Flughafen fragt er uns, wie es war. Als wir fertig geschwärmt haben, sind wir auch schon da. Eine letzte Umarmung und dann steigen wir zurück in den Flieger ins kalte Deutschland.
Aber eins steht fest: Wir kommen wieder.
Oh wie schön ist Panama!










